Inhausersiel…

cat-cat-1271046_640

.

Inhausersiel…

Die letzten Höfe schwinden aus dem Blick,
vorbei an aufgelass`nen Häuslerstellen –
vorbei an aufgegeb`nem Glück –
führt uns der alte Klinkerpfad
In großen Bögen und in kleinen Wellen.
Jahrhunderte er gute Dienste tat.
Mit in die Marsch gedrückten Spuren –
hochgewölbt im Mittelstück,
so zieht er sich durch grüne Fluren –
die alte Zeit kommt nicht zurück.

Die Stimmung wie auf schlichten Bildern
von Malern – hier aus diesem Küstenstrich,
die Wassergräben sind schon am verwildern –
Natur – die ist hier unter sich,
Querab des Deiches grünes Band sich schlängelt,
als Wehr der Menschen gegen Wassers Macht.
Auf ihm sich Schaf an Schafes Kopfe drängelt –
versunken schon in der Geschichte Nacht.
Überragt von Spitzen einer Handvoll Masten
von Schiffen – die wohl hier zu Haus noch sind.

Wir fahr`n vorbei an manchem alten Kasten –
mit verstaubten Fenstern – Scheiben stumpf und blind.
Drei Häuser noch – mit strohgedeckten Dächern –
die Jungen – scheint`s – sind lang`schon von hier fort,
man sieht jedoch noch Heu in offnen`Fächern –
wir sind in einem weltvergess`nen Ort.
Der Junge dort – unter der großen Linde –
schaut uns mit krausem Haar und off`nem Munde nach,
er kaut – genussvoll still – ein Stückchen Rinde –
das er sich irgendwo im Garten brach.

Rechter Hand – weit auf- des Sieles hölzern Schlote,
noch gut geölt und relativ in Schuss.
An altersschwacher Hafenmauer liegen Boote,
weich – in grauem Grund – und wie aus einem Guss.
Hier und da an Molenköpfen
brutzeln Würste hoch am Stock –
dazu in schwarzen Eisentöpfen
siedet Wasser für den heißen Grog.
Ein Mädchen – zart – mit langen Flechten,
schleckt Eiskristalle – leuchtend bunt.
Groß wie der Mond in blauen Nächten-
sieht man ihren Erdbeermund.

Die Schipper haben geflaggt über die Toppen –
die Wimpel hängen alle schlaff im Wind,
ein Teddybär mit ausgefransten Noppen –
das Glück für einer Mutter Kind.
Vom Hafentor verliert sich in der Ferne-
in langen Jahren zugeschlickter Priel,
nur Birkenreiser – und keine Laterne –
begleiten ihn – vom Anfang bis zum Ziel.

Am Horizont die Wolkenbänke leuchten –
die Sonne badet sie im feuerroten Licht,
die Wellen sanft die Watten feuchten –
sie spiegeln des Himmels Angesicht.
Die Möven steh`n als Silhouetten –
auf Dalben und auf Fahnenbaum,
zeichnen soubrettengleich die Schatten –
in diesen Sommerabendtraum.

Langsam fällt die Nacht hernieder –
auf sommerheißen stillen Ort,
da – jetzt hört man es schon wieder –
der Wind trägt weit die Klänge fort.
Ein Mädchen singt von Seemannsliebe –
und vom Glück als Seemannsbraut,
in stimmungsvolle weiche Töne
einer Harmonika gebaut.

Aus runden Bootskajütenfenstern –
streichelt gelbes Lampenlicht
grünbemooste Pfähle –
an denen man gebunden liegt.
Vom Andelgroden zieht in Schwaden –
der Duft von frisch gemähtem Gras,
die Luft ist knattervoll geladen –
man weiß nur nicht genau mit was.

Der Ort ist lange schon verschwunden –
und der Name auch schon fast,
die Erinnerung – sie ist gebunden –
ist das was du auf ewig hast!

© ee

.

boat-1008675_640

Advertisements
Getaggt mit

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: