Helgolands Hoffnung.

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Helgolands Hoffnung.

Leidgeprüft und fast zertrümmert
lag einst der Felsen in rauher See.
Wen hat es da schon groß gekümmert,
der Helgoländer Schmerz und Weh.

Vertrieben von der Väter Insel,
verpflanzt in ihnen fremdes Land,
doch eingefärbt in ihre Wolle
man stets das Bild des Eilands fand.

„Auferstanden aus Ruinen“ –
nirgends hat es soviel „Wahr“.
Nicht dem Krieg, dem Frieden dienen –
das leben sie nun Jahr für Jahr.

Ein Kleinod ist so neu entstanden,
ein Diamant im Wellenlicht.
Dank denen die den Mut einst fanden –
den Mut, der Hass mit Hoffnung bricht.

© ee

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Getaggt mit ,

Kondolieren ….

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Kondolieren ….

 

Marianne war im Dorf einkaufen gewesen. In fünf Minuten war Teezeit, und sie stand noch in Hut und Mantel in der Diele. Reent Saathoff, der Krämer, hatte nämlich beim Klönen wiedermal kein Ende finden können. Es gab aber auch soviel Neues zu berichten. Durch die Schnackerei hatte sie das, was sie wirklich besorgen wollte, gar nicht in den Einkaufswagen gelegt.

Salz und Fliegenfänger – die Teile fand sie gleich doppelt in ihrem Korb.

Salz benötigte sie eigentlich überhaupt nicht, weil Gerd und sie wegen ihres Zuckers schon länger Diät leben mußten – und Fliegenfänger. Fliegenfänger hatte ihr Enkelsohn erst vorgestern im Zehnerpack von der Genossenschaft mitgebracht.

„Verdeckselt nochmal – jetzt hab ich die Trauerkarten vergessen.“ Wegen der Trauerkarten war sie überhaupt bloß in den Kramladen gegangen.

Sie knütterte in der Küche verhalten vor sich hin. Wenn jetzt jemand hereingekommen wäre, er hätte sogleich bemerkt, daß sie ziemlich franterig gestimmt war.

Angefangen hatte ja alles ganz anders. Als sie heute morgen nach dem Aufstehen die Rückseite der Zeitung studierte, um zu wissen zu kriegen, wer in Zukunft nicht mehr im Konsum einkaufen würde, war ihr sogleich Tekla Büschers Name entgegen gesprungen.

Marianne war richtig zusammengeschreckt. Tekla Büscher war im Alter doch noch gar nicht soweit hin wie sie selber.

Na ja, ein bißchen stökelig war sie in den letzten Jahren schon gewesen, die gute Tekla – aber fünfundachtzig – das ist doch noch kein Alter. Sie stand mit ihren siebenundachtzig noch dreimal die Woche auf dem Markt in der Kreisstadt hinter dem Sauerkrautfaß.

Marianne sauste ziemlich ziellos, mit dem Salztopf in der Hand, in der Küche hin und her. Was sie damit wollte, daß wußte sie selbst nicht.

Gerd kam jüstemang aus dem Schweinestall. Er mußte noch ins Nachbardorf zum Kusenklempner. In seinem Oberkiefer tat sich schon seit Tagen etwas Ungutes.

Bevor er nun für die Tour ins Nachbardorf seinen alten Bulldog mit der Lötlampe anheizte, wollte er mit Marianne noch erst gemütlich Teetrinken. Wer wußte denn, was der Zahndoktor alles mit ihm anstellen würde.

Aber was war das – es war Teezeit in der Zeit, und kein Tee war fertig?

Sowas hatte er seit Ewig und drei Tagen nicht mehr erlebt. Die Frage, warum das heute so war, konnte er aber gar nicht erst loswerden.

Marianne machte ihm gleich klar, wie ihr das bei Saathoff ergangen war. „Ich kann mich über mich selbst ärgern – ich merk nun doch, daß ich älter werde. Jetzt muß ich mich nochmal wieder antakeln.“

Sie war vor Aufregung reinweg am pusten.

„Der Postbote muß unbedingt morgen früh den Brief mitnehmen – sonst kriegt Tekla den doch erst, wenn sie schon in der Erde liegt. Was soll sie denn bloß von mir halten.“

Gerd konnte ihr ansehen, daß sie wütend auf sich selber war.

„Deern – nu wääs doch nich so biesterk. Deine Freundin Tekla kann den Brief doch sowieso selber nicht mehr lesen.

„Das ist mir ganz egal – mir soll, wenn ich gestorben bin, auch ja keiner sowas antun. Mit dem red ich dann nie wieder.“

Was gab’s dagegen zu sagen?

Ein Leuchten strich über Gerds Gesicht. „Weißt du was, Marianne? Ich muß doch gleich aufs Siel, zum Kusendoktor. Ich geh dann eben auf die andere Seite rüber – in Joosten sein Klüterladen werd’ ich sicher ’ne Trauerkarte finden.“

Irgendwie hatten seine Worte irgendetwas bewirkt – denn Marianne war plötzlich gar nicht mehr gnadderich, und unversehens stand auch der Teepott auf dem Tisch.

Beim Kusendoktor war es denn doch nicht so schaurig, wie er es befürchtet hatte. Der alte Doktor „Knieptang“ brauchte mit seinen blanken Spachteln nur ein wenig in seinem Mund herumzurühren – und schon war der Schaden behoben. Gerd fragte sich, warum er eigentlich soviel Schiß inne Bükse gehabt hatte. Als er denn endlich die Tür nach draußen hinter sich zugemacht hatte, schoß ihm plötzlich ein alter Werbespruch durch den Kopf: „Mama, Mama – er hat überhaupt nicht gebohrt.“

Schmüstern mußte er über sich selber. Mit diesem schmüstern um seinen Augen segelte er über die Strasse – in Joostens alten Laden rein.

Junge, Junge – hatte sich das hier drinnen verändert, seitdem ein junger Chef das Sagen über die Schubladen und Regale hatte.

„Papeterie“ stand in goldenen Buchstaben, draussen an der Hauswand, geschrieben.

Gerd blieb ein Momentchen im Eingang stehen, und ließ das alles auf sich wirken, bevor er anfing, zwischen den Verkaufsgondeln hin- und herzugondeln.

Er rutschte von einem Staunen in das andere. Zu welchen Begebenheiten man alles Karten schicken konnte: Hochzeit, Geburtstag, zum neuen Auto, zur bestandenen Prüfung, Namenstag, Konfirmation …, sogar „Glücklich geschieden“ las er. Was er aber nicht fand, das war eine Karte oder ein Brief mit schwarzem Rand drumherum. In seinem Kopf fing es an zu kreiseln.

Er mußte den Verkäufer fragen – denn, ohne Trauerkarte wieder nach Hause zu kommen – das Theater, was er denn erleben würde – das mochte er sich beim besten Willen nicht ausmalen.

Während seiner Irrfahrt durch die „Kartenwelt“ war ihm klar geworden, daß der Verkäufer wohl kein Plattdeutsch verstand, und so fragte er den jungen Mann hinter dem Tresen in seinem besten Schulhochdeutsch: „Haben sie vielleicht Kondolenzbriefe im Sortiment?“

Der junge Bengel schaute ihn mit dem gleichen glubschen Blick an, mit dem ihn vor vierzehn Tagen auch sein Ochse angesehen hatte, als er vor dem neuen Scheunentor stand. „Kondolenzbriefe … Kondolenzbriefe …“ hörte Gerd ihn nur wiederholt murmeln. Nach zwei Minuten Augenverdrehens rauschte das Nichtwissen dann wie ein Umhang aus dem Gesicht des Verkäufers zu Boden: „Aaaach – sie meinen die Karten, mit denen man gratulieren tut, wenn einer gestorben ist.“

 © ee

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auch zu finden in unserer gemeinsamen Schreibwerkstatt.  https://schreibwerkstatt2016.wordpress.com/

mit vielen weiteren Erzählungen und Kurzgeschichten………….

Getaggt mit

Sonnengold.

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Sonnengold.

die sonne vergoldet den himmel
auf steigt ein nebelschimmel
es reitet der junge morgen
über auen in blaue wälder
im schauen nach tagesgaben
nach sachten sonnenfingern
nach eistropfen die klingen
wenn sie berührt zerspringen
er sucht nach frühlingsküssen
nach farben die wir vermissen
nach düften süß im kommen
und sanft in gold ein sonnen
im neuen tagesflimmer…

© Chr.v.M.

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für Dich mein schwerkranker Freund Ewald, sieh aus dem Fenster, schau doch …

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Nachgedacht.

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Wer mit Vertrauen,
das er verschenkt,
nicht allzu großzügig umgeht –

der gerät weniger in Gefahr
von Enttäuschungen
erschlagen zu werden.© ee

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Auf’s rote Eiland zieht’s mich zurück…

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Auf’s rote Eiland zieht’s mich zurück.

Mich trieb das Leben durch die Welt –
in nordischen Jurten Nächte verbracht,
geschwitzt im Beduinenzelt –
auf Hawaii hat mir die Sonne gelacht.

In Kanadas Wäldern Bären geseh’n –
um Feuerland elend gelitten,
irgendwie war es überall schön –
selbst tief in Grönland – auf Eskimos Schlitten.

Vor Florida mit Delphinen geschwommen –
am Zuckerhut tanzte ich Samba,
in Mexiko viele Tequila genommen –
wie schlecht war mir da – Caracho, Caramba.

Im schaukelnden Zug durch Sibirien –
Tabak gepflückt auf Batavia,
Kaukasier erlebt in Delirien –
an der Wolga geschwelgt in Kaviar.

Stürme fegten über mich hin –
Hitze dörrte die Kehle,
doch wo ich auch war, stand mir der Sinn
nach Helgolands geheimnisvoll Seele.

Nirgendwo sind die Nächte so schön
und streicheln die Blüten der Triebe.
Nirgendwo ist mir Schön’res gescheh’n,
als auf der Insel der Liebe.

Drum möchte’ ich in die Welt rausschrei’n
wo ich des Lebens Ursprung fand,
es ist der Felsen ganz allein –
es ist die Insel Helgoland.

© ee

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Die Reise ins Zuckerhutland.

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Die Reise ins Zuckerhutland.

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Ein Wort vorweg …

 

Laßt euch entführen. Fahrt einfach mit ins Zuckerhutland. Wundert und freut euch mit den vielen märchenhaften Bewohnern über das Leben in einer anderen Welt.

Klettert schnell rein in den wunderlichen Zug. Die Fensterscheiben sind geputzt, und die Plätze schon angewärmt. Vielleicht entdeckt ihr auf der Reise irgendwo eigene Wünsche wieder, oder ihr findet sogar ganz neue Träume – vielleicht möchtet ihr am Ende der Reise sogar im Zuckerhutland bleiben.

 

In den Reiseberichten aus dem Zuckerhutland malt der Schreiber den Hörern und Lesern seiner Geschichten das Gegenbild ihrer wirklichen Welt. Richtig kunterbunt und kopfständisch geht es oftmals zu, doch selbst dann wird niemand die Reise abbrechen, und das Geld für die Fahrkarte zurückverlangen. Wenn ihn manchmal auch nur die einfache Befürchtung daran hindert, dass er im nächsten Reisabschnitt etwas verpassen könnte. In diesen Erzählungen wird jedem die Gelegenheit geboten, seine eigenen Illusionen zu erleben, auch wenn er dabei selber auf dem Kopf stehen müßte.

 

Ein Taschenbuch mit ausdrucksstarken , kindgerechten Illustrationen von Kensise Anders und Gabriele Lange, geschrieben von Herrn Ewald Eden  für große und kleine Leser

bestellbar über Amazon    https://www.amazon.de

Die Reise ins Zuckerhutland

(Carolin, Leonie und Laura reisen

ins Zuckerhutland)

 

  • ISBN-10: 1492219770
  • ISBN-13: 978-1492219774

 

zum Preis von 9,96 Euro

 

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Helgolands Zauber.

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Helgolands Zauber.

Was macht diese Insel so zauberhaft schön
dass Mensch ihr verfällt für sein Leben
wer’s nicht weiß hat ihr nie in die Seele geseh’n
und kann sein Gefühl auch nicht weitergeben

dieses Eiland ist eine schlummernde Blume
als Blüte entfaltend die herrlichste Pracht
scheint der Boden auf ihr auch als kärgliche Krume
so sprießet doch Leben nach stockdunkler Nacht

im Winde sich wiegende blühende Pflanzen
an steiler Felswand brütend Gefieder
im Wasser ringsum die Seehunde tanzen
aus gastlichen Häusern tönende Lieder

wortkarge Mannen in wehrhaften Booten
jagen nach Hummer und Meeresgetier
vergebens schaut man nach qualmenden Schloten
sieht nur weißen Sand als der Vorinsel Zier

Seestern und Robbe fühlen sich heimisch
sie liegen am Strand im sonnigen Licht
der Himmel zeigt sich mit Farben nicht kleinlich
wenn das Abendrot in den Wellen sich bricht

drum setz dich ans Kliff und erfreu dich daran
einmaliges sollt’ man genießen
am besten noch als Zweiergespann
da können Gefühle dann fließen.

© ee

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Schöne Welt.

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Schöne Welt …

Grünkohl in der Nase
Haare in den Ohren
Steine in der Blase
Bein zu Eis gefroren

Rheuma in den Gliedern
Arthrose in Gelenken
im Takt zu Volkes Liedern
sich den Hals verrenken

Schwielen in den Händen
Hornhaut an den Tretern
an wen kann man sich wenden
ohn’ dass man hört gleich Zetern

Welt ist entweder heile Welt
mit alles nur am Strahlen
oder man hat gar kein Geld
um Zeche zu bezahlen

Welt ist entweder Duftzentrum
und Köln ist nur noch Glockengasse
oder Staat ist Dideldum
mit Kreatur als Rohstoffmasse

was auch immer hier geschieht
ob punktgenau – ob weitverstreut
Krieg niemals vor Frieden flieht –
so wurde es uns eingebleut.

© ee

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Getaggt mit

Bomben auf Helgoland.

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Bomben auf Helgoland

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Helgoland – du Punkt im Meer
du rotes Etwas in der Ferne
ich frage mich wo kommst du her
denn über dir steh’n and’re Sterne

wer in dir seine Wurzeln hat
kann nirgend Sonstwo leben
hat keinen Stamm – treibt auch kein Blatt
es sei er spürt des Felsens Beben

ringsum die Mächte um dich stritten
hier feige und dort prahlerisch
während deine Kinder litten
zerstörte man dich fürchterlich

in Rhöndorf drückte sich ein Alter
um die Verantwortung herum
in London lauschten Weltgestalter
freudig auf der Bomben Bumm

du hast allem widerstanden
hast nicht gebeugt des Felsens Haupt
so konnten jene wieder landen
die dich schon zerstört geglaubt.

© ee

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Getaggt mit

Helgoland abends um sieben …

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Helgoland abends um sieben …

Die ‚Lange Anna’ seufzt stillverhalten –
jetzt darf sie es tun – jetzt hört keiner hin.
Sie schaut zu der Hauptinsel felsige Falten
und denkt: Gut, daß ich hier abseits und ungestört bin.

Denn manchmal geht er ihr schon auf den Wecker,
der Trubel dort auf dem Oberland.
Das Pommesgeschmatze und Majogeklecker
passt eigentlich gar nicht zu Insel und Strand.

Doch was soll man machen?

Man ist nun mal da
und braucht zum Überleben der Ausflügler Schar.
Kaum wird es Mittag dann fallen sie ein –
wie Heuschrecken in eine Wüstenoase.

Sie stopfen Essen und Trinken in sich hinein
und verschwinden gegen vier mit randvoller Blase.

Über Nacht wächst dann wieder zollfreie Ware
wie von Zauberhand in des Händlers Budike –
anderntags heißt ’s wieder: Kaufe und spare –
hier gibt es alles von schnurze bis schnieke.

Und wieder werden die Beutel gefüllt,
mit Tabak mit Sprit und mit Preziosen.
Bei manchen es dann aus den Büxpiepen quillt
wenn sie zu voll sind die Hosen.

© ee

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Getaggt mit